Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die nach extrem belastenden Erlebnissen auftreten kann. Besonders häufig entwickelt sich PTBS nach interpersonellen Traumata wie Missbrauch, Krieg oder Gewalterfahrungen. In der Traumatherapie stehen Sie als Betroffene*r im Mittelpunkt, und die Behandlung erfolgt schrittweise, um Ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
In diesem Artikel möchten wir Ihnen die zentralen Phasen der Traumatherapie bei PTBS vorstellen und zeigen, wie diese zu einer langfristigen Heilung beitragen können.
Was ist PTBS?
PTBS entsteht, wenn ein traumatisches Ereignis die emotionale Belastbarkeit überfordert. Zu den typischen Symptomen gehören:
Intrusionen
Ungewolltes Wiedererleben von traumatischen Erinnerungen in Form von Flashbacks oder belastenden Träumen.
Vermeidung
Sie meiden Orte, Menschen oder Situationen, die Sie an das Trauma erinnern könnten.
Hyperarousal
Eine ständige Übererregung, die sich durch Schreckhaftigkeit, Schlafprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten äußert.
Emotionale Taubheit
Ein Gefühl innerer Leere oder das Unvermögen, Freude zu empfinden.
PTBS kann direkt nach einem traumatischen Erlebnis auftreten, aber auch Monate oder Jahre später. Ohne professionelle Unterstützung können die Symptome anhaltend Ihre Lebensqualität beeinträchtigen. Eine gezielte Traumatherapie kann Ihnen helfen, diese Belastungen zu bewältigen.
Die drei Phasen der Traumatherapie
Die Therapie von PTBS erfolgt in der Regel in drei aufeinander aufbauenden Phasen. Dieses strukturierte Vorgehen sorgt für Stabilität und Sicherheit während des Prozesses.
1. Stabilisierung
Die Stabilisierung ist der erste Schritt, um Sie auf die weiteren Phasen der Therapie vorzubereiten. In dieser Phase geht es darum, Ihre innere Sicherheit und emotionale Stabilität wiederherzustellen.
Was passiert in der Stabilisierungsphase?
Sie lernen, mit belastenden Symptomen wie Flashbacks oder Übererregung besser umzugehen.
Gemeinsam mit Ihrem Therapeuten oder Ihrer Therapeutin entwickeln Sie Strategien, um stressreiche Situationen zu bewältigen.
Übungen zur Achtsamkeit oder Imagination können Ihnen helfen, ein Gefühl von Kontrolle zurückzugewinnen.
Die Stabilisierungsphase ist besonders wichtig, wenn Sie schwere oder lang anhaltende Traumata (sogenannte Typ-II-Traumata) erlebt haben.
2. Traumaverarbeitung
Nach der Stabilisierung beginnt die behutsame Aufarbeitung des Traumas. Ziel ist es, die belastenden Erinnerungen in einen verarbeitbaren Kontext zu bringen, sodass sie weniger quälend wirken.
Welche Methoden werden eingesetzt?
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)
Mit Hilfe von geführten Augenbewegungen werden die emotionalen Belastungen Ihrer traumatischen Erinnerungen reduziert.
Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-CBT)
Sie lernen, negative Gedankenmuster und Überzeugungen zu erkennen und zu verändern.
Expositionsverfahren
Bei diesem Ansatz werden Sie mit traumabezogenen Erinnerungen konfrontiert, um ihre emotionale Intensität zu verringern.
Die Verarbeitung erfolgt in Ihrem individuellen Tempo. Sie stehen dabei nie allein, sondern werden therapeutisch begleitet.
3. Integration
In der letzten Phase der Therapie geht es darum, das Trauma als Teil Ihrer Lebensgeschichte zu integrieren und neue Perspektiven zu entwickeln. Ziel ist es, nach vorne zu blicken und Ihr Leben wieder aktiv zu gestalten.
Was erwartet Sie in der Integrationsphase?
Sie lernen, Ihre Lebensziele neu zu definieren und zu verfolgen.
Ihre Resilienz wird gestärkt, um auch zukünftigen Herausforderungen gewachsen zu sein.
Soziale Kontakte und Aktivitäten werden gefördert, um Isolation zu überwinden.
Diese Phase markiert oft einen Wendepunkt: Viele Betroffene berichten von einer deutlichen Verbesserung ihrer Lebensqualität und einem Gefühl innerer Freiheit.
Herausforderungen bei der PTBS-Therapie
Die Behandlung von PTBS ist anspruchsvoll, da jedes Trauma individuell ist. Besonders bei interpersonellen Traumata, wie Missbrauch oder Krieg, treten häufig komplexe Symptome auf, die intensive Unterstützung erfordern.
Ein unbehandeltes Trauma kann zudem Langzeitfolgen haben, wie Depressionen, Angststörungen oder körperliche Beschwerden. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Fazit: Ein Weg zur Heilung
Die Traumatherapie bietet Ihnen einen klar strukturierten Weg, um die Belastungen der PTBS zu überwinden. In den Phasen der Stabilisierung, Verarbeitung und Integration werden Sie unterstützt, Ihr Trauma zu bewältigen und wieder Lebensfreude zu finden.
Wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld von PTBS betroffen sind, zögern Sie nicht, Hilfe zu suchen. Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt, und die Traumatherapie kann Ihnen dabei helfen, ein neues Kapitel in Ihrem Leben zu eröffnen.
Dieser Artikel wurde von Viktoria Krebs, Psychologin in Ausbildung, GORTcoaching geschrieben und stützt sich auf Informationen aus:
Maercker, A., & Michael, T. (2009). Posttraumatische Belastungsstörungen. In J. Margraf & S. Schneider (Eds.), Lehrbuch der Verhaltenstherapie (pp. 105–124). Springer Berlin Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-540-79543-8_6
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