Dissoziative Störungen sind psychische Erkrankungen, die durch einen Verlust der Integration von Erleben und Handeln gekennzeichnet sind. Wenn Sie von dissoziativen Störungen betroffen sind, erleben Sie häufig plötzliche oder allmähliche Unterbrechungen Ihrer Bewusstheit, Ihres Gedächtnisses oder Ihres Identitätsbewusstseins. Diese Störungen können sowohl vorübergehend als auch chronisch auftreten und betreffen nicht nur die Wahrnehmung Ihrer eigenen Identität, sondern auch die Kontrolle über körperliche Empfindungen und Bewegungen.
Was genau sind dissoziative Störungen?
Dissoziative Störungen umfassen ein breites Spektrum an Phänomenen, bei denen die psychische Integration gestört ist. Das bedeutet, dass Ihr Erleben und Handeln nicht mehr in gewohnter Weise zusammenwirken. Sie berichten häufig von einer plötzlichen oder längerfristigen Unterbrechung Ihres Bewusstseins, Ihres Gedächtnisses oder Ihres Selbstbewusstseins. In vielen Fällen erleben Sie eine Art „Abspaltung“ von Ihrer eigenen Wahrnehmung, wodurch Sie sich von Ihrem Körper oder Ihren Gedanken distanzieren.
Ein klassisches Beispiel für dissoziative Symptome sind Gedächtnislücken oder das Gefühl, „nicht sich selbst zu sein“. Auch das Gefühl, in einer fremden oder veränderten Welt zu leben, oder die Unfähigkeit, Ihren eigenen Körper zu spüren, können auftreten. Diese Symptome beeinträchtigen Ihr tägliches Leben und können das Gefühl der Kontrolle über Ihre eigene Person und Ihr Leben stark beeinträchtigen.
Dissoziative Störungen und traumatische Erfahrungen
Dissoziative Störungen treten häufig in Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen auf. Die Störung selbst kann als eine Art Abwehrmechanismus verstanden werden, der es Ihnen ermöglicht, sich von extrem belastenden oder überwältigenden Erfahrungen zu distanzieren. Besonders nach schweren, lang anhaltenden oder wiederholten traumatischen Ereignissen – wie etwa sexuellen Übergriffen, körperlicher Gewalt oder Kriegserfahrungen – können dissoziative Symptome in Erscheinung treten.
In der traumatherapeutischen Literatur wird häufig betont, dass dissoziative Phänomene selten als isolierte Störungen auftreten. Vielmehr sind sie oft eingebunden in komplexe Prozesse der Traumaverarbeitung. So können sie Teil der Symptomatik anderer psychischer Störungen werden, die als Folge traumatischer Erlebnisse entstehen, wie zum Beispiel posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Phobien oder Depressionen.
Formen dissoziativer Störungen
Es gibt verschiedene Formen dissoziativer Störungen, die je nach Schweregrad und Häufigkeit der Symptome variieren können. Die häufigsten Formen sind:
Dissoziative Amnesie
Wenn Sie an dissoziativer Amnesie leiden, haben Sie Gedächtnislücken für wichtige Informationen oder Ereignisse in Ihrem Leben. Diese Amnesie tritt meist im Zusammenhang mit belastenden oder traumatischen Erfahrungen auf. Sie können sich nicht an Details eines bestimmten Zeitraums oder an spezifische traumatische Erlebnisse erinnern.
Dissoziative Fugue
Diese Form der Dissoziation zeichnet sich durch einen plötzlichen, oft unerklärlichen Ortswechsel aus, bei dem Sie Ihre Identität vergessen oder sie verändern. Sie können für eine Weile völlig Ihre Erinnerung und Ihre persönliche Geschichte verlieren.
Dissoziative Identitätsstörung (früher als multiple Persönlichkeitsstörung bekannt)
Bei dieser schweren Form dissoziativer Störung entwickeln Sie zwei oder mehr verschiedene Persönlichkeitszustände oder Identitäten. Jede dieser Persönlichkeiten kann unterschiedliche Gedächtnisse, Verhaltensweisen oder Vorlieben aufweisen und sich voneinander abgrenzen.
Dissoziation als Schutzmechanismus
Es ist wichtig zu verstehen, dass dissoziative Störungen häufig als eine Art psychologischer Schutzmechanismus auftreten, der Sie vor überwältigenden Erlebnissen bewahrt. Bei extrem belastenden oder traumatischen Erfahrungen kann Ihr Gehirn „abschalten“ oder die Erinnerung daran „abspalten“, um Sie vor einem psychischen Zusammenbruch zu schützen.
Dissoziation hilft dem Körper, mit Stress und Angst umzugehen, indem sie Ihnen eine temporäre Flucht vor der Realität ermöglicht. Doch während dies kurzfristig eine gewisse Erleichterung verschaffen kann, werden die dissoziativen Symptome in der Folge zu einer ernsthaften Störung, die Ihre Lebensqualität und das tägliche Erleben stark beeinträchtigt.
Behandlung von dissoziativen Störungen
Die Behandlung von dissoziativen Störungen erfordert in der Regel eine tiefgehende psychotherapeutische Intervention. Traumatherapie, insbesondere EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), kann Ihnen helfen, die zugrundeliegenden traumatischen Erinnerungen zu verarbeiten und die dissoziativen Symptome zu lindern. Eine wichtige Rolle spielt auch die Unterstützung durch Fachkräfte, um ein stabiles Gefühl der Identität und Kontrolle wiederzuerlangen.
Abschließend lässt sich sagen, dass dissoziative Störungen ein komplexes Zusammenspiel von psychischen Prozessen darstellen, die häufig mit traumatischen Erfahrungen zusammenhängen. Das Verständnis dieser Störungen ist entscheidend, um Ihnen eine adäquate Hilfe und Unterstützung bieten zu können. Sie sind ein wichtiges Thema in der Traumatherapie und erfordern ein sensibles, individualisiertes Vorgehen, um Ihnen zu helfen, Ihre Erfahrungen zu verarbeiten und Ihre Lebensqualität wiederzuerlangen.
Dieser Artikel wurde von Viktoria Krebs, Psychologin in Ausbildung, GORTcoaching geschrieben und stützt sich auf Informationen aus:
Peter, F. (2013). Dissoziative Störungen Fortschritte der Psychotherapie (2.Auflage Band 17.). Hogrefe Verlag.
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