Karriere-Resilienz als Beziehungskompetenz
Resilienz wird im Karriere-Kontext oft als individuelle Stärke verstanden – als psychische Widerstandskraft, mit der man berufliche Krisen übersteht. Doch ein modernes Verständnis von Resilienz geht weiter: Es sieht Resilienz als Ergebnis von “relational empowerment” – also als Fähigkeit, wachstumsfördernde Beziehungen zu sich selbst und zu anderen zu gestalten. Im Zentrum steht dabei ein lebendiger Dialog nach innen und außen.
Im Karriere-Coaching bedeutet das: Resilienz entsteht nicht isoliert, sondern im Austausch. Menschen entwickeln eine widerstandsfähige Karriereidentität, wenn sie die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen im Gespräch zu reflektieren, zu verarbeiten, und daraus eine flexible und sinnstiftende berufliche Geschichte zu formen.
Innere und äußere Dialoge stärken
Zentrale Bausteine für diese Form der Resilienz sind der innere Dialog – das bedeutungsvolle Gespräch mit sich selbst – sowie der äußere Dialog mit anderen, etwa im Coaching, im Kollegenkreis oder in Mentoring-Beziehungen. Beide Dialogformen ermöglichen, berufliche Rückschläge nicht nur zu bewältigen, sondern daraus zu lernen und sich weiterzuentwickeln.
Ein unterstützender Coaching-Prozess schafft genau diesen Raum: für Selbstreflexion, für emotionale Verarbeitung, aber auch für ein neues Erzählen der eigenen Laufbahn. Denn eine resiliente Karriereidentität ist keine starre Biografie, sondern eine dynamische Erzählung – offen für Wendepunkte und Neuinterpretationen.
Warum dieser Raum oft fehlt – und wie Coaching ihn schaffen kann
In vielen Arbeitsumfeldern fehlt es an echter Dialogkultur. Die Anforderungen sind hoch, die Taktung schnell, die individuelle Leistung steht im Vordergrund. Das erschwert die Entwicklung von Resilienz, weil weder Zeit noch Strukturen für persönliche Reflexion und identitätsbezogenes Lernen gegeben sind.
Karriere-Coaching füllt diese Lücke. Es bietet einen geschützten Rahmen, in dem über Erlebtes gesprochen und emotional verarbeitet wird, und neues berufliches Selbstverständnis aufgebaut werden kann. Dabei geht es nicht nur um Problemlösung, sondern auch um das Entdecken neuer beruflicher Bedeutungen und Perspektiven.
Resilienz gezielt mit Karriere-Coaching und Beziehungskompetenz entwickeln
Im Coaching-Prozess wird Resilienz auf mehreren Ebenen gestärkt:
- Beziehungsarbeit: Der Aufbau einer vertrauensvollen Coach-Klient-Beziehung fördert offene Gespräche.
- Narratives Arbeiten: Die eigene Karrieregeschichte neu erzählen und deuten lernen.
- Selbstreflexion: Den inneren Dialog fördern und stärken.
- Ressourcenaktivierung: Persönliche Stärken und vergangene Bewältigungsstrategien bewusstmachen.
- Zukunftsorientierung: Neue berufliche Wege nicht nur denken, sondern emotional annehmen können.
Fazit: Resilienz braucht Dialog – und diesen Raum schafft Karriere-Coaching
Karriere-Resilienz ist nicht nur eine Frage der inneren Stärke, sondern auch der Beziehungskompetenz. Wer lernt, mit sich selbst und mit anderen bedeutsam über berufliche Erfahrungen zu sprechen, entwickelt eine flexible, lebendige und widerstandsfähige Karriereidentität.
In einer Arbeitswelt voller Komplexität, Unsicherheit, und Individualisierung wird dieser Dialog zur Schlüsselressource. Coaching kann ein unterstützender Ort sein, an dem dieser Dialog initiiert und gefördert wird. Dies schafft die Basis für echte Resilienz und nachhaltige berufliche Entwicklung.
DIESER ARTIKEL WURDE VON CELIA JALAß, KLINISCHE PSYCHOLOGIN, GORTCOACHING GESCHRIEBEN UND STÜTZT SICH AUS INFORMATIONEN AUS:
Lengelle, R., Van der Heijden, B. I. J. M., & Meijers, F. (2017). The foundations of career resilience. In K. Maree (Ed.), Psychology of Career Adaptability, Employability and Resilience (pp. 29–47). Springer International Publishing.
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