Burnout ist längst kein Randphänomen mehr. Besonders Menschen mit hohem Anspruch an sich selbst – oft perfektionistisch, ehrgeizig, und engagiert – scheinen gefährdet. Doch warum ist das so? Die Transaktionsanalyse (TA) bietet mit dem Konzept der inneren Antreiber ein Erklärungsmodell, das aufzeigt, wie bestimmte unbewusste Muster langfristig zur Erschöpfung führen können.
Was sind innere Antreiber?
Die Transaktionsanalyse, entwickelt von Eric Berne, beschäftigt sich mit den Mustern unseres Denkens, Fühlens, und Handelns. Ein zentraler Aspekt der Transaktionsanalyse sind die fünf klassischen inneren Antreiber – also unbewusste Botschaften, die wir oft schon in der Kindheit verinnerlichen:
- Sei perfekt!
- Sei stark!
- Mach es allen recht!
- Streng dich an!
- Beeil dich!
Diese Antreiber sind ursprünglich Überlebensstrategien: Sie helfen uns, in bestimmten Umfeldern Anerkennung, Sicherheit oder Liebe zu bekommen. Problematisch werden sie, wenn sie im Erwachsenenleben unreflektiert weiterwirken – insbesondere in stressreichen Kontexten wie Beruf oder Familie.
Der Zusammenhang mit Perfektionismus
Vor allem der Antreiber „Sei perfekt!“ ist stark mit perfektionistischem Verhalten verbunden. Menschen mit diesem Antreiber setzen sich oft unrealistisch hohe Maßstäbe und erleben Fehler als persönliches Versagen. Sie korrigieren endlos, sind selten zufrieden mit dem Ergebnis, und finden schwer Erholung – weil „es ja noch besser ginge“.
Auch der Antreiber „Streng dich an!“ trägt zum Burnout-Risiko bei. Denn wer glaubt, dass nur harte Arbeit Wert hat, wird sich schwer damit tun, Pausen zu akzeptieren oder Aufgaben zu delegieren. Selbst Erfolge fühlen sich nicht richtig an, wenn sie „zu leicht“ erreicht wurden.
Wie Antreiber zur Erschöpfung führen
Diese inneren Muster können – insbesondere in Kombination – zur dauerhaften Selbstüberforderung führen. Menschen mit stark ausgeprägten Antreibern:
- setzen sich unter enormen inneren Druck,
- ignorieren eigene Grenzen,
- nehmen wenig Rücksicht auf ihre Bedürfnisse, und
- können schwer Nein sagen oder loslassen.
Auf Dauer kann das zu chronischem Stress, Schlafproblemen, emotionaler Erschöpfung, und letztlich zum Burnout führen.
Der Weg zur Veränderung: Erlauber statt Antreiber
Die gute Nachricht: Innere Antreiber sind veränderbar. Ein erster Schritt ist, sich ihrer bewusst zu werden. Viele Menschen erkennen sich schon beim Lesen der Antreiber-Botschaften wieder.
Die Transaktionsanalyse bietet sogenannte „Erlauber“ als Gegengewicht – stärkende innere Sätze, die den Antreiber relativieren:
- Statt „Sei perfekt!“ → „Es ist okay, Fehler zu machen.“
- Statt „Sei stark!“ → „Du darfst Hilfe annehmen und Gefühle zeigen.“
- Statt „Streng dich an!“ → „Du darfst es dir auch leicht machen.“
- Statt „Mach es allen recht!“ → „Du darfst deine eigenen Bedürfnisse ernst nehmen.“
- Statt „Beeil dich!“ → „Du darfst dir Zeit nehmen.“
Solche Erlauber wirken zunächst vielleicht ungewohnt oder sogar provokant. Doch im Coaching, in der Selbstreflexion oder in der therapeutischen Arbeit können sie helfen, sich schrittweise von destruktiven Mustern zu lösen – und wieder in Kontakt mit den eigenen Ressourcen zu kommen.
Fazit
Perfektionismus und Burnout sind häufig zwei Seiten derselben Medaille. Die Transaktionsanalyse zeigt mit den inneren Antreibern ein effektives Modell, um ungesunde Verhaltensmuster zu verstehen und zu transformieren. Wer lernt, sich selbst freundlich zu begegnen und innere Antreiber in hilfreiche Erlauber zu verwandeln, macht einen entscheidenden Schritt in Richtung gesunder Selbstführung – und nachhaltiger Erholung.
DIESER ARTIKEL WURDE VON CELIA JALAß, KLINISCHE PSYCHOLOGIN, GORTCOACHING GESCHRIEBEN UND STÜTZT SICH AUS INFORMATIONEN AUS:
Thunnissen, M., & Timmermans, M. (2023). Transactional analysis and burnout: For individuals and organizations. Transactional Analysis Journal, 53(4), 328–340.
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