Burnout ist längst kein Randphänomen mehr. Immer mehr Menschen fühlen sich dauerhaft erschöpft, innerlich leer, und überfordert – beruflich wie privat. Wenn Motivation und Begeisterung verloren gehen suchen viele Betroffene nach einem Weg zurück zu Kraft, Klarheit, und Lebensfreude. Neben medizinischer und therapeutischer Unterstützung kann Coaching hier eine wichtige Rolle spielen – insbesondere das lösungsorientierte Coaching nach Steve de Shazer.
Fokus auf Lösungen statt Probleme
Anders als viele traditionelle Ansätze beschäftigt sich lösungsorientiertes Coaching nicht vorrangig mit der Analyse der Ursachen oder der „Tiefe“ des Problems. Stattdessen richtet es den Blick nach vorn: Was funktioniert bereits – und wie kann man davon mehr bekommen?
Gerade Menschen mit Burnout erleben oft ein Gefühl der Hilflosigkeit und Kontrollverlust. Hier setzt das lösungsorientierte Coaching an, indem es die Selbstwirksamkeit stärkt. Ein Coach hilft der Klientin oder dem Klienten dabei, vorhandene Ressourcen (wieder) zu entdecken und kleine Schritte in Richtung gewünschter Veränderungen zu gehen.
Kleine Schritte, große Wirkung
Steve de Shazer prägte den Gedanken: „Wenn etwas funktioniert, mach mehr davon. Wenn etwas nicht funktioniert, mach etwas anderes.“ Statt große Ziele anzustreben, die in der akuten Erschöpfung ohnehin unerreichbar scheinen, konzentriert sich der Coachingprozess auf kleine, machbare Veränderungen – sogenannte „kleine Unterschiede, die einen Unterschied machen“.
Ein Beispiel: Eine Klientin berichtet, dass sie sich seit Wochen jeden Tag erschöpft fühlt. Auf die Frage des Coaches, ob es einen Moment in letzter Zeit gab, in dem es ein bisschen besser war, erinnert sie sich: „Am Sonntagmorgen, als ich mit meinem Hund im Wald war.“ Daraus entwickelt sich ein erster, realistischer Schritt: wieder regelmäßig Zeit in der Natur verbringen.
Die Wunderfrage – ein Perspektivwechsel
Ein zentrales Werkzeug im lösungsorientierten Coaching ist die sogenannte Wunderfrage:
„Stellen Sie sich vor, über Nacht geschieht ein Wunder – das Problem ist gelöst. Woran würden Sie es am nächsten Tag merken?“
Diese Frage öffnet einen Raum für neue Gedanken. Sie zwingt nicht zur Lösung, sondern lädt zur Vorstellung einer anderen Realität ein. Bei Burnout-Betroffenen kann das bedeuten: Wieder zu erkennen, wie sich Leichtigkeit oder Energie überhaupt anfühlen könnten, selbst wenn nur als vage Idee. Das wiederum schafft Motivation und Orientierung für erste Schritte.
Ressourcen stärken statt Defizite vertiefen
Ein weiterer zentraler Baustein: Der Coach arbeitet konsequent ressourcenorientiert. Statt Schwächen zu analysieren, geht es um Stärken, Zeiten der Erleichterung, und gelungene Momente. Gerade im Kontext von Burnout, wo Selbstzweifel und negative Gedankenschleifen dominieren, kann diese Haltung wie ein Gegengewicht wirken – stärkend, stabilisierend, und aufbauend.
Coaching ersetzt keine Therapie, wenn medizinische oder psychische Erkrankungen vorliegen. Aber es kann ein wertvoller, ergänzender Begleiter sein: um Klarheit zu finden, Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen, und langfristig gesündere Strukturen aufzubauen.
Fazit: Kleine Schritte zurück ins Leben
Lösungsorientiertes Coaching nach de Shazer ist kein Patentrezept – aber ein klar strukturierter, ermutigender Ansatz, der Menschen in Krisen unterstützt, wieder ins Handeln zu kommen. Gerade bei Burnout geht es nicht um schnelle Lösungen, sondern um achtsames, nachhaltiges Weitergehen – Schritt für Schritt. Der Coach begleitet dabei wie ein guter Weggefährte: präsent, fragend, wertschätzend.
DIESER ARTIKEL WURDE VON CELIA JALAß, KLINISCHE PSYCHOLOGIN, GORTCOACHING GESCHRIEBEN UND STÜTZT SICH AUS INFORMATIONEN AUS:
O’Connell, B., & Palmer, S. (2018). Solution-focused coaching. In S. Palmer & A. Whybrow (Eds.), Handbook of Coaching Psychology (2nd ed., pp. 270-281). Routledge.
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