40% von Burnout-Fällen stehen in Zusammenhang mit persönlichen Lebensumständen (Quekel, 2023). Diese werden auch als einschneidende Ereignisse bezeichnet, wie etwa Scheidungen, der Verlust eines geliebten Menschen, Krankheit, oder andere stressreiche Situationen. Solche Ereignisse haben eine enorme Auswirkung auf das physische und mentale Wohlbefinden der Mitarbeitenden (Cohen et al., 2018), was direkte Folgen für die Produktivität am Arbeitsplatz hat (Hafner et al., 2015). In diesem Trendreport untersuchen wir die Rolle von HR-Managern bei der Unterstützung von Mitarbeitenden in schwierigen Zeiten und wie sie die passenden Instrumente und Flexibilität bieten können, um mit diesen Herausforderungen umzugehen.
Was zählt als einschneidendes Ereignis?
Ein einschneidendes Ereignis ist eine Situation, die das Leben einer Person erheblich beeinflusst und möglicherweise das emotionale, psychologische und physische Wohlbefinden beeinträchtigt (Cohen et al., 2018). Während viele verschiedene Ereignisse als „einschneidend“ gelten können, zeichnen sie sich im Allgemeinen dadurch aus, dass sie Stress verursachen, den gewohnten Alltag unterbrechen, und erhebliche Herausforderungen mit sich bringen.
Typische einschneidende Ereignisse sind:
- Verlusterfahrungen, wie der Tod eines geliebten Menschen, eine Scheidung, oder der Verlust des Arbeitsplatzes. 33% der Beschäftigten sind nach solchen Ereignissen nicht in der Lage, weiterzuarbeiten (CNV Vakmensen, 2019).
- Gesundheitsprobleme, wie eine schwere Krankheit oder Diagnose, die sowohl physische als auch emotionale Belastungen mit sich bringt.
- Veränderungen der persönlichen Lebensumstände, wie eine neue Familiensituation (z.B. Geburt eines Kindes, Umzug, Schwangerschaft), oder der Beginn einer neuen Beziehung.
- Soziale und wirtschaftliche Stressfaktoren, wie finanzielle Schwierigkeiten, rechtliche Verfahren, oder Pflegeverpflichtungen.
- Psychologische Belastungen, wie traumatische Erlebnisse, Erfahrungen mit Gewalt, oder anhaltender Stress im persönlichen Umfeld.
Auswirkungen auf Arbeitsleistung und Wohlbefinden
Einschneidende Ereignisse können zu Angstzuständen, Depressionen, und sogar Burnout führen. Dies betrifft nicht nur die betroffene Person selbst, sondern auch das gesamte Team und die Organisation. Sie können zudem bestehende psychische und physische Beschwerden verstärken, was zu vermehrtem Krankheitsausfall führt. Dies kann wiederum unerwartete Kosten für das Unternehmen verursachen und die Zusammenarbeit im Team beeinträchtigen. Mitarbeitende, die persönliche Krisen durchleben, neigen dazu, sich emotional von der Arbeit zu distanzieren. Dieses verringerte Engagement kann zu sinkender Arbeitszufriedenheit und Leistungseinbußen führen.
Wie HR-Manager ihre Mitarbeitende unterstützen können
1. Empathische Führung
Empathie ist die Grundlage für effektive Unterstützung. HR-Manager können eine Unternehmenskultur schaffen, in der sich Mitarbeitende sicher fühlen, persönliche Sorgen zu teilen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Dies fördert offene Kommunikation und stärkt das Vertrauen – was sich letztendlich positiv auf die Produktivität auswirkt (Kock et al., 2018). Unternehmen, die empathische Unterstützung bieten, werden fünfmal häufiger weiterempfohlen und genießen größeres Vertrauen bei ihren Mitarbeitenden (Gallup, Inc., 2024).
2. Flexible Arbeitszeiten
In belastenden Zeiten kann Flexibilität bei der Arbeitszeit und dem Arbeitsort eine große Entlastung sein. Flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, vorübergehend im Homeoffice zu arbeiten, können den Stress verringern (Anakpo et al., 2023). 70% der Beschäftigten glauben, dass sie genauso produktiv oder sogar produktiver wären, wenn sie von zu Hause arbeiten könnten (Anakpo et al., 2023). HR-Manager sollten daher flexible Arbeitsmodelle fördern, damit Mitarbeitende ihre Arbeit und ihr Privatleben besser in Einklang bringen können.
3. Psychologische Unterstützung und Coaching
Die Bereitstellung von psychologischer Unterstützung und Coaching kann Mitarbeitenden helfen, besser mit Stress umzugehen und ihr emotionales Wohlbefinden zu stabilisieren. Dies kann die Regenerationszeit verkürzen und das Risiko eines Burnouts senken (Grover & Furnham, 2016). Mitarbeitende, die sich unterstützt fühlen, haben ein 71% geringeres Risiko Burnout zu entwickeln (Gallup, Inc., 2024). Außerdem sind 76% der Meinung, dass es nicht genügend Unterstützung bei der Stressbewältigung gibt (CNV Vakmensen, 2019). Unternehmen sollten daher Programme für mentale Gesundheit implementieren, wie z.B. Beratungsangebote, Achtsamkeitstrainings, und Stressbewältigungsseminare.
4. Vertrauliche Gespräche und Unterstützungsnetzwerke
Es ist essenziell, vertrauliche Anlaufstellen zu schaffen, bei denen Mitarbeitende persönliche Anliegen besprechen können, ohne negative Konsequenzen für ihre Karriere befürchten zu müssen. Dies kann über HR-Gespräche, Peer-Support-Gruppen, oder externe Coaching-Angebote erfolgen (Jolly et al., 2020). 69% der Beschäftigten geben an, dass sie über Möglichkeiten verfügen, schwierige Themen am Arbeitsplatz anzusprechen (TNO & CBS, 2023). Unternehmen sollten sicherstellen, dass Mitarbeitende sowohl auf professioneller als auch auf persönlicher Ebene Unterstützung erhalten. Dies stärkt das Vertrauen und senkt die Hemmschwelle, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Fazit
Die Unterstützung von Mitarbeitenden in persönlichen Krisenzeiten ist nicht nur für deren Wohlbefinden essenziell, sondern auch für die langfristige Produktivität und Zufriedenheit im Unternehmen. HR-Manager tragen die Verantwortung, eine unterstützende Umgebung zu schaffen, in der sich Mitarbeitende sicher fühlen und ihre Herausforderungen besser bewältigen können. Durch empathische Führung und flexible Arbeitsmodelle können HR-Manager wesentlich zur Resilienz ihrer Mitarbeitenden beitragen und so eine gesunde und produktive Unternehmenskultur fördern.